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Das Mahnmal für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft in Billerbeck:

Von der Weiterentwicklung eines lokalen Gedenkortes

Zum Stadtbild von Billerbeck gehört seit 1926 unverwechselbar das „Kriegerehrenmal“, das dem Hauptportal der Ludgerus-Kirche schräg gegenüber liegt. Die „Kriegergedächtniskapelle“ ist dem Gedenken an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs gewidmet und steht zudem für das Gedenken an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs. Seit einigen Jahren versucht eine Bürgerinitiative, diesen zentralen Gedenkort der Billerbecker Stadtgesellschaft dafür zu nutzen, an alle Toten des kriegerischen und gewaltsamen 20. Jahrhunderts zu erinnern – also nicht nur an die zivilen und militärischen Kriegstoten der beiden Weltkriege, sondern auch an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in und aus Billerbeck. Der Förderverein Mahnmal Billerbeck unter dem Vorsitz von Wolfgang Suwelack beschreitet dabei neue Wege: Das historische „Kriegerehrenmal“ wird zu einem „Mahnmal für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“ weiterentwickelt.

Erste konkrete Schritte in diese Richtung sind getan. Unter Bewahrung des denkmalgeschützten „Kriegerehrenmals“ nahmen die Havixbecker Künstler Wolfgang Winter und Berthold Hörbelt einen kleinen gestalterischen Eingriff in die Platzanlage vor und erfanden mit der regelmäßigen Aufführung des Musikstücks „wenn nicht du“ von Friedrich Jaecker, einem Kölner Komponisten, ein neues Gedenkritual (2001). Zur künstlerischen Gesamtkonzeption gehört die begriffliche Umwidmung des „Kriegerehrenmals“ in „Kapelle der Friedfertigkeit“. Am Volkstrauertag 2002 wurde die neue Gedenktafel der Öffentlichkeit übergeben; sie listet die zivilen und militärischen Kriegstoten der beiden Weltkriege wie auch die Opfer von Verfolgung und Ermordung in der nationalsozialistischen Zeit auf.

Somit werden erstmalig und namentlich auch diejenigen Personen in und aus Billerbeck im öffentlichen Raum festgeschrieben, die der nationalsozialistischen Gewalt- und Unrechtsherrschaft zum Opfer gefallen sind. Es handelt sich hierbei um Billerbecker, die als Juden verfolgt und vertrieben, verschleppt und ermordet wurden, um Billerbecker, die im Verlauf der „Euthanasie“-Aktionen ermordet wurden (ohne deren Namen zu nennen), und um all jene ausländischen Zwangsarbeiter, die in Billerbeck vor und nach Kriegsende 1945 infolge der harten Arbeits- und Lebensbedingungen verstorben sind.

Die Aktivitäten des Fördervereins sind in der Bevölkerung, in der Kommunalverwaltung und in der Politik der Berkelstadt nicht unumstritten. Die Weiterentwicklung des Gedenkortes zu einem Gesamtensemble („Kriegerehrenmal“, Gedenkritual, Gedenktafel) ist konzeptionell nicht unproblematisch. Eines ist aber auch deutlich geworden: Es bedurfte der bürgerschaftlichen Initiative eines Vereins, damit die Billerbecker Gesellschaft an ihrem zentralen Gedenkort endlich der historisch-politischen Verantwortung für einen angemessenen Umgang mit der gesamten Geschichte des 20. Jahrhunderts gerecht werden konnte. Die Wolfgang Suwelack-Stiftung wird sich in Zukunft der bleibenden Verantwortung für das Gedenken und Erinnern vor Ort stellen. Die Stiftung wird die Fortentwicklung der Gedenkkulturen in Billerbeck begleiten und notwendige Erinnerungs- und Aufklärungsarbeiten zur lokalen Geschichte des 20. Jahrhunderts fördern.


Der Text der sechsseitigen Informationsbroschüre über das Mahnmal für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft in Billerbeck (Juni 2003) kann heruntergeladen werden:

Über die Aktivitäten des Fördervereins Mahnmal Billerbeck informiert die website www.artcampus.de/mahnmal, über die neue Gedenktafel die Artikelserie von Matthias M. Ester, Volkstrauertag 2002 in Billerbeck: Die Übergabe der neuen Gedenktafel. Vom „Kriegerehrenmal“ zum „Mahnmal für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“, in: Billerbecker Anzeiger v. 9., 12., 14. u. 16. November 2002, erweiterte und aktualisierte Internetfassung unter www.artcampus.de/mahnmal, Menüpunkt Neue Gedenktafel (online u. als pdf-Datei herunterladbar).