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Arbeitsgemeinschaft „Spuren finden“ der Realschule Billerbeck:

Das Gedenkblatt für Rolf-Dieter und Eva Eichenwald

Das Gedenken und Erinnern an jene Menschen, die durch Verfolgung und Ermordung im Nationalsozialismus zu anonymen Opfern gemacht worden sind, findet seit wenigen Jahren neue Formen und Medien. Erinnern wir uns: In den Gemeinden und Städten verbleibt das offizielle Gedenken noch weitgehend in ritualisierten Formen. Der Opfer des Nationalsozialismus wird kollektiv gedacht, an erster Stelle der Shoah-Opfer. Man sucht Zuflucht in der allseits akzeptierten, aber nicht unproblematischen Formel von den „Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft“. Ein namentliches Gedenken an die Verfolgten und Ermordeten hingegen entwickelt sich erst langsam, zudem ein persönliches Gedenken an ein individuelles Schicksal eines der zahllosen Opfer des Nationalsozialismus Engagement und Empathie erfordert.

Engagement und Empathie: Das hat die Arbeitsgemeinschaft „Spuren finden“ der Städtischen Realschule Billerbeck unter der Leitung des Lehrers Guido Linden in den letzten Jahren gezeigt, als die Schülerinnen und Schüler dem Schicksal der Billerbecker Kinder Rolf-Dieter und Eva Eichenwald nachgegangen sind. Die 1936 und 1937 geborenen Geschwister sind mit ihren Eltern im Dezember 1941 in das sogenannte „Reichsjudenghetto“ im lettischen Riga deportiert worden. Ihr Vater erlag den unmenschlichen Bedingungen in dem Konzentrationslager Salaspils bei Riga. Ob die Mutter und die Kinder in Riga ermordet wurden, oder ob sie im Herbst 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet wurden, ist noch ungeklärt. Irgendwann und irgendwo sind Rolf-Dieter und Eva Eichenwald erschossen oder vergast worden. Die Kinder fanden damals kein Grab, und kein Grabstein erinnert heute an sie.

Das Ergebnis der langjährigen und ausdauernden Recherchen ist ein Gedenkblatt, das den kurzen Lebensweg der Billerbecker Kinder dokumentiert und erinnert. Die Arbeitsgemeinschaft stellte das Gedenkblatt erstmals im November 2002, am Volkstrauertag, der Billerbecker Öffentlichkeit vor, als die neue Gedenktafel an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft im 20. Jahrhundert übergeben wurde. Die Namen der Geschwister Eichenwald wie die ihrer Eltern und Großeltern stehen auf dieser Tafel. Im Juli 2003 schließlich wurde das Gedenkblatt in das „Gedenkbuch an die Opfer des Nationalsozialismus im Münsterland“ eingelegt. Das Gedenkbuch, ein Projekt des Vereins „Spuren finden“, liegt in der Münsteraner Villa ten Hompel aus, damals ein nationalsozialistischer Täterort, heute ein renommierter Geschichtsort.


Das umfangreiche Gedenkblatt auf dem Stand von Mitte 2003 (19 Seiten, mit zahlreichen Fotos) kann heruntergeladen werden, ebenso wie der instruktive „Arbeitsbericht“ (3 Seiten), der die Recherchearbeiten reflektiert.