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Die Suwelacks in Billerbeck:

Familiengeschichte – Stadtgeschichte – Gedenkgeschichte

Die Familiengeschichte der Suwelacks ist auf das Engste mit der Billerbecker Stadtgeschichte verbunden. Das unternehmerische Engagement der Familie reicht über drei Generationen; die Unternehmen waren und sind für die Wirtschaft der Stadt und der Region von großer Bedeutung, nicht zu vergessen der soziale Stellenwert als einer der wichtigsten Arbeitgeber vor Ort.

Die Anfänge der Beziehungen zwischen Familie und Stadt gehen bis in das Kaiserreich zurück. Im Jahre 1884 gründete sich die Sammelmolkerei Billerbeck als Aktiengesellschaft. Der aus der Bauerschaft Pentrup bei Greven stammende Josef Suwelack (1850-1929) wurde als Verwalter bestellt. In den vier Jahrzehnten seiner Tätigkeit entstand einer der größten milchverarbeitenden Betriebe in Westfalen. 1886 heiratete Josef Suwelack Katharina Brockmann, die Tochter des Leiters der Billerbecker Sparkasse. Von den zehn Kindern spielten Richard Suwelack (1891-1968) und Otto Suwelack (1901-1962) eine wichtige Rolle in Wirtschaft und Politik der Stadt Billerbeck. Die Aktivitäten der Brüder fielen in eine Zeitspanne, die von der Weimarer Republik über das sogenannte „Dritte Reich“ bis weit in die junge Bundesrepublik hineinreichte – ein Kapitel der Stadt- und der Familiengeschichte, das noch weitgehend unaufgearbeitet ist.

Seit 1910 unternahm Josef Suwelack, nun Direktor der Dampfmolkerei, Versuche zur Herstellung von Trockenmilch. 1928 konnte sich die Trockenmilchfabrik verselbständigen. Nach 1945 expandierte die Firma unter dem Sohn Otto Suwelack und schließlich unter Wolfgang Suwelack, der die Firma nach dem Tode seines Vaters 1962 übernahm. Das Trocknungsverfahren wurde modernisiert und die Produktpalette diversifiziert. Neben die Gefriertrocknung von Lebensmitteln trat in den 1970er und 1980er Jahren die Herstellung diätetischer und kosmetischer Produkte. Wolfgang Suwelack leitete die Firma fast 40 Jahre lang als geschäftsführender Gesellschafter, bevor er sich ideenreich und initiativfreudig der Billerbecker Gedenkkultur zuwandte – und auf die Spuren seiner Familiengeschichte traf.

Das 1926 eingeweihte „Kriegerehrenmal“, das schräg gegenüber der Ludgerus-Kirche steht, geht auf die Initiative des Kriegervereins Billerbeck zurück. Vorsitzender des Kriegervereins war zu jener Zeit Richard Suwelack. Im Innern der „Kriegergedächtniskapelle“ erhebt sich ein Steinkreuz; die Kuppel wird vom Eisernen Kreuz abgeschlossen. Deutsch-nationale und christliche Symbolik gehen eine Einheit ein, die für ein katholisch-konservatives, wenn nicht gar demokratie- und republikfeindliches Milieu stand. Das „Kriegerehrenmal“ ist dem Gedenken an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs gewidmet und steht nach 1945 zudem für das Gedenken an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs.

Seit 1999 beschäftigt sich der Förderverein Mahnmal Billerbeck mit der Weiterentwicklung des „Kriegerehrenmals“ zu einem „Mahnmal für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“. Unter dem Vorsitz von Wolfgang Suwelack beschritt der Verein neue Wege: Im Rahmen des Kunstprojekts „Kapelle der Friedfertigkeit“ von W. Winter und B. Hörbelt wurde ein neues Gedenkritual geschaffen. Seit dem Volkstrauertag 2002 steht eine neue Gedenktafel neben dem alten „Ehrenmal“, die die zivilen und militärischen Kriegstoten der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts auflistet wie auch – erstmalig in Billerbeck – die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Die Gedenktafel erläutert das neue Mahnmal-Ensemble und kommentiert das alte Denkmal.

Für Richard Suwelack bedeutete das „Ehrenmal“ die öffentliche Anerkennung des ehrenhaften, gefallenen Soldaten. Das „Kriegerehrenmal“ appellierte an den Respekt vor der Hingabe des Lebens in Erfüllung soldatischer Pflicht. Für seinen Neffen Wolfgang Suwelack steht das „Mahnmal“ als Verweis auf die zivilgesellschaftliche Katastrophe des 20. Jahrhunderts, die sich im Holocaust in ungeheurem Ausmaß verdichtet hatte. Das Mahnmal-Ensemble dient als Mahnung zum Frieden zwischen den Völkern und zur Friedfertigkeit in der Gesellschaft. Stadtgeschichte und Familiengeschichte spiegeln sich in dieser Gedenkgeschichte wider; mit ihren jeweiligen Vereinen stehen die beiden Vorsitzenden für die Geschichte des 20. Jahrhunderts im allgemeinen und den Bedeutungswandel des Billerbecker Gedenkortes im besonderen.

Mit der Gründung der Stiftung versucht Wolfgang Suwelack nun, seinem persönlichen Anliegen, Gedenkkultur und Friedensarbeit in Billerbeck und im Münsterland zu fördern, in Gegenwart und Zukunft eine institutionelle Kontinuität und finanzielle Basis zu sichern.

M.M.E.